Der reichste Mann der Welt: Carlos Slim Helu

26. Februar 2014

Carlos_Slim_HelúDas Leben von Carlos Slim Helu, dem reichsten Mann der Welt, zeigt keine der typischen vom Tellerwäscher zum Millionär Karrieren, aber betrachtet man die Familiengeschichte der Slims, so sind doch wesentliche Elemente einer solchen Entwicklung zu verzeichnen.

Sein Vater Yusuf Selim Haddad floh mit 14 Jahren aus dem heutigen Libanon, weil er ansonsten für die osmanische Armee rekrutiert worden wäre. So gelangte er 1902 nach Mexiko, wo er den orientalischen Namen Selim in Slim änderte, da dieser für Mexikaner leichter auszusprechen war. In den ersten Jahren arbeitete er als Händler, um bereits 1911 den ersten eigenen Laden zu eröffnen.

Die Revolution von Pancho Villa, führte zu einem Preisverfall von Häusern und Grundstücken in Mexiko Stadt und ermöglichten es, dass Slim diese günstig erwerben konnte und so der Grundstock für das spätere Vermögen der Familie gelegt werden konnte. Durch Heirat mit Linda Helú, die ebenfalls aus einer wohlhabenden libanesischen Familie stammte, vermehrte sich das Familienvermögen weiter. Carlos Slim Helu konnte also durchaus auf ein gutes finanzielles Polster zurückgreifen, aber im Vergleich zu seinem späteren Vermögen, das dazu führte, das er heute der reichste Mann der Welt ist, waren es geradezu bescheidene Anfänge.

“Wenn es eine Krise gibt, sind manche daran interessiert auszusteigen und wir sind daran interessiert einzusteigen.”

Carlos Slim Helu

Er wurde 1940 als Fünftes von 6 Kindern dieser Familie geboren und nach den strengen Maßstäben seines Vaters erzogen, der ihn zu Fleiß, Talent und Hingabe anspornte. Schon als Kind, ab seinem achten Lebensjahr, half er im Geschäft des Vaters. Dieser vermittelte ihm vor allen Dingen seinen ausgeprägten Geschäftssinn, der es dem jungen Carlos Slim Helu ermöglichte schon mit 17 Jahren die erste Million durch Spekulation an der Börse zu verwirklichen.

Das sagenhafte Vermögen von heute 53,5 Milliarden US-Dollar beruht aber nicht auf Spekulationen, sondern auf Fleiß, Geschäftssinn und der soliden kaufmännischen Ausbildung, die er schon im Elternhaus erfahren hatte. So war es für ihn üblich schon über sein erstes Taschengeld Buch zuführen.

Von jeher faszinierten ihn Zahlen, selbst sein Hobby Baseball wurde unter diesem Aspekt betrachtet. Als er 1961 seinen Abschluss als Bauingenieur machte, war er in jeglicher Hinsicht bestens gerüstet gemäß der Familientradition über Bauprojekte das Vermögen kontinuierlich zu vergrößern.

Bereits 1980 begann er zusätzlich Firmen aufzukaufen. So erwarb er eine Tabakladenkette (Sanborn) und die mexikanischen Anteile von Sears und Condumex. Das Firmenimperium Grupo Carso war gegründet. Carso steht übrigens für Carlos Slim und Soumaya Domit de Slim, seiner ersten Ehefrau.(gest. 1999). Gleichzeitig knüpfte er wichtige politische Kontakte und so war es für Carlos Slim Helu kein Problem mit einem Konsortium die staatliche Telefongesellschaft Telmex zu übernehmen als Präsident Carlos Salinas 1990 diese privatisierte.

“Es geht nicht darum einzusteigen und eine völlig neues Management einzusetzen, sondern stattdessen so viel wie möglich zu “komprimieren”, indem man Managementebenen verringert. Wir wollen so wenige Ebenen wie möglich, so dass die Manager nahe am Betrieb sind. Wir glauben außerdem nicht an große Unternehmensstruktur.”

Carlos Slim Helu

Der Preis war mit 1,8 Milliarden extrem günstig, der tatsächliche Wert wurde mit 10 bis 12 Milliarden US-Dollar veranschlagt. In der Folgezeit stiegen die Telefonkosten in Mexiko drastisch, die Qualität des Netzes blieb jedoch gleich. Die Preise für Telefonate zählen zu den höchsten der Welt und der Markt für Ferngespräche ist bis heute kaum für andere Anbieter geöffnet. Die Übernahme der Telmex gilt bis heute, als Paradebeispiel für eine gescheiterte Privatisierung, die einen wichtigen Markt in die Hände eines Monopolisten spielte. Unter Carlos Regie wurde die Telmex größer, besonders durch vermehrte Investitionen in den südamerikanischen Markt, den sie bald über die Mobilfunktochter América Móvil in diesem Bereich dominierte.

Seit dieser Zeit investiert Carlos Slim Helu vermehrt auch in den US-amerikanischen Markt, so erwarb er Anteile an Philip Morris, OfficeMax, Saks, Apple und anderen US-Unternehmen. Sein Einfluss auf die dortigen Medien wird dadurch deutlich, dass er einer der wichtigsten Aktionäre des Fernsehunternehmens Televisa ist und 2008 6,4 % der Anteile an der New York Times Company erwarb, den er 2009 ausweitete.

“Die Technologie wird die Leben der Menschen und die Gesellschaft überall auf der Welt verändern. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht neue Technologien zu studieren. Meine Hauptaufgabe ist zu verstehen, was vor sich geht, und zu überlegen, wie wir dort reinpassen können.”

Carlos Slim Helu

Man kann nicht der reichste Mann der Welt sein, ohne Kritik anzuziehen, besonders wenn der Einfluss auf ein Land so groß ist wie der von Carlos Slim Helu. Er beschäftigt 250.000 Menschen und ist Mexikos größter Arbeitgeber nach dem Staat. Die Telmex dominiert die mexikanische Börse und über América Móvil beherrscht sie fast den gesamten Mobilfunkmarkt des Kontinents. Die Kosten für Telekommunikation sind hoch, was angesichts der herrschenden Armut in den Ländern besonders auf Kritik stößt.

Ob es angeborene Bescheidenheit ist oder die die Folge dieser Kritik, kann nur schwer abgeschätzt werden, aber es ist eine Tatsache, dass ihm Glamour und Luxus fremd sind. Er lebt ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben und trägt billige Anzüge. Der einzige Luxus, den er sich gönnt, sind teure Zigarren und eine Kunstsammlung. Die Sammlung ist aber in einem nach seiner Frau benannten Museum der Öffentlichkeit zugänglich.

Seit 2000 schlägt sein Herz für die Sanierung der Altstadt von Mexiko, die ihm allerdings, wie seine Kritiker betonen, Millionen einbringt. Weitere soziale Projekte betreibt er über seine Stiftungen. So hat er zusammen mit Nobelpreisträger Mohammed Yunnus ein Projekt für Mikrokredite gestartet, mit denen arme Menschen in der Lage sind sich Existenzen aufzubauen. Insgesamt macht er sich im Bereich der Jugendbildung stark. Im Jahr 2007 gab er zum Beispiel bekannt, dass er Hunderttausende von Laptops der Aktion „One Laptop per Child“ Kindern in Mexiko schenken werde. Bisher wurden 50.000 Geräte bestellt, die zunächst an Schulen und Büchereien gehen.

Trotz seines großen sozialen Engagements gilt er als eiskalter Abzocker. Der Ausspruch „Ich bin kein Weihnachtsmann, Wohltätigkeit löst das Problem der Armut nicht“ wird ihm immer wieder angelastet. Obwohl er sich, besonders nach dem Tod seiner Frau, und nach seiner eigenen Herzerkrankung, stark geändert hat. Heute hat er sich zu der Erkenntnis durch gerungen hat, dass er nach seinem Tod nichts mitnehmen kann.

“Wenn Sie für die Meinungen anderer Menschen leben, sind Sie tot. Ich will meine Zeit nicht damit verbringen darüber nachzudenken, wie man sich an mich erinnert wird.”

Carlos Slim Helu

Natürlich war das berühmte Quäntchen Glück im Spiel, das aus dem Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns den reichsten Mann der Erde machte. In erster Linie verdankt er diesen Reichtum seinem gut entwickeltem Geschäftssinn, seinem Fleiß und seinem Mut sich in Projekten zu engagieren, die zukunftsweisend sind. Nicht die Tatsache, dass er der reichste Mann der Welt ist, stört seine Kritiker, es ist eher die Macht und der politische Einfluss, der ihm angelastet wird.

Den Unternehmen die Slims Familie gehören wurden 2006 mehr als 5 Prozent der mexikanischen Wirtschaftsleistung zugerechnet. Man kann in Mexiko nichts unternehmen, ohne sein Vermögen zu mehren. So schreibt die Politologin Denise Dresser über ihn „Er kontrolliert alles, kauft alles, er ist die fünfte Macht im Staat und bleibt dabei stets im Schatten“ mit dieser Einschätzung dürfte Frau Dresser völlig richtig liegen.

Für alle, die es Carlos Slim gleichtun wollen, lassen sich aus seinem Werdegang diese drei Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Setzen Sie auf neue Technologien und Wachstumsmärkte.
  2. Gehen Sie strategische Parterschaften ein.
  3. Verschwenden Sie keine Zeit, handeln Sie.

Das Ganze in Carlos Worten:

“Das Internet ist der Schlüssel. Die Vereinigten Staaten sind bei Weitem das fortschrittlichsten Land in dieser neuen digitalen Kultur; deshalb müssen wir dort sein. Das Internet ist das Herz dieser neuen Zivilisation und Telekommunikation ist das Nervensystem oder der Blutkreislauf.”

“In dieser neuen technologischen Welle kann man nicht alles selbst tun. Man muss Partnerschaften eingehen.”

“Wenn wir entschließen etwas zu tun, tun wir es schnell.”

Carlos Slim Helu

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